Die Neubaustrecke (NBS) Hamburg–Hannover muss kommen – aber anders!
Die FDP Heidekreis setzt sich für den Ausbau der Schienenverkehrsinfrastruktur zwischen Hamburg und Hannover ein. Der Ausbau ist notwendig, um die Mobilität in Norddeutschland zukunftsfähig, klimafreundlich und leistungsstark zu gestalten. Jedoch lehnen wir die gegenwärtig geplante Ausführung der Neubaustrecke (NBS) Hamburg—Hannover in ihrer derzeit vorgesehenen technologischen Form ab. Stattdessen fordern wir, im Rahmen der weiteren Planungen zukunftsweisende Verkehrssysteme wie die Hyperlooptechnologie systematisch zu prüfen und als bevorzugte Lösung in die Planung aufzunehmen.
Der Bau einer konventionellen Hochgeschwindigkeitsstrecke (z. B. für Geschwindigkeiten über 250 km/h) ist mit erheblichen Eingriffen in Natur, Landschaft und landwirtschaftlich genutzte Flächen verbunden. Der Flächenverbrauch pro Kilometer liegt bei klassischen Trassen bei 10—15 Hektar — verursacht durch breite Bahnkörper, Trassenführung, Überwerfungsbauwerke und Lärmschutzwände.
Demgegenüber bieten moderne Konzepte wie die Hyperlooptechnologie erhebliche Vorteile für Mensch, Umwelt und Wirtschaft. In mehreren europäischen Studien — darunter auch Entwicklungsunterlagen eines niederländischen Hyperloop-Projekts — wird das Potenzial dieser Technologie wie folgt beschrieben:
1. Flächeneffizienz und Umweltverträglichkeit
Hyperloop-Systeme basieren auf nahezu luftleeren Röhren, in denen elektrisch angetriebene Kapseln mit sehr hoher Geschwindigkeit verkehren. Die Trassen können entweder unterirdisch oder aufgeständert geführt werden, benötigen nur geringe Fundamentflächen und keine Lärmschutzmaßnahmen. Der Flächenverbrauch liegt laut technischen Planungsdokumenten bei unter 3 Hektar pro Kilometer — deutlich geringer als bei konventionellen Bahntrassen.
Zudem sind Hyperloops nahezu emissionsfrei im Betrieb, erzeugen keinen Lärm außerhalb der Röhre und bieten somit ein bisher unerreichtes Maß an landschaftlicher Schonung und Bürgerakzeptanz .
2. Flughafenanbindung und Kurzstreckenersatz
Die direkte Anbindung der Flughäfen Hamburg und Hannover durch einen Hyperloop bietet eine einzigartige Chance, diese Standorte innerhalb von weniger als 30 Minuten miteinander zu verbinden — schneller als jeder Flug, selbst ohne Check-in.
Darüber hinaus eröffnet die Hyperlooptechnologie die Möglichkeit, innerdeutsche und innereuropäische Kurzstreckenflüge durch ein bodengebundenes, ultraschnelles und klimafreundliches Verkehrsmittel zu ersetzen. In weiteren Ausbaustufen könnten große deutsche Flughäfen (Berlin, Frankfurt, Köln/Bonn, München) sowie zentrale europäische Luftverkehrsdrehkreuze (Amsterdam, Paris, Brüssel) verbunden werden — bei Reisezeiten von unter zwei Stunden auf vielen Relationen.
Diese Netzanbindung würde sowohl die CO₂-Bilanz des Verkehrssektors verbessern als auch die Flughäfen selbst entlasten und besser vernetzen.
3. Integration von Luftfahrt und Infrastrukturbetreibern
Die FDP Heidekreis erkennt die Hyperlooptechnologie nicht als Konkurrenz zum Luftverkehr, sondern als dessen sinnvolle Ergänzung und Modernisierung . Fluggesellschaften sollten die Möglichkeit erhalten, eigene Fahrzeuge oder Kapseln zu betreiben, um ihre Passagierströme intermodal zu organisieren. Ebenso sollen Flughafen- und Bahnhofsbetreiber die Möglichkeit erhalten, Hyperloop-Terminals zu betreiben, um bestehende Infrastrukturen sinnvoll zu erweitern.
So entstehen neue Geschäftsmodelle, zusätzliche Wertschöpfung und langfristige Investitionssicherheit für Standorte in ganz Deutschland und Europa.
4. Zukunftssicherheit durch Automatisierung
Während der klassische Bahnverkehr dauerhaft auf Lokführer angewiesen ist — ein Berufsfeld mit zunehmendem Fachkräftemangel (bis 2035 wird ein bundesweites Defizit von über 10.000 Lokführern erwartet) — ist die Hyperlooptechnologie von Beginn an auf vollautomatisierten Betrieb ausgelegt. Dies sichert Zuverlässigkeit , erhöht die Betriebsfrequenz und senkt langfristig die Personalkosten.
5. Kosten-Nutzen-Vergleich
Die Baukosten klassischer Hochgeschwindigkeitsstrecken liegen laut aktuellen Daten bei 37 bis 45 Mio. Euro pro Kilometer , je nach Geländeschnitt und Umweltauflagen. Die Hyperlooptechnologie — auf Basis europäischer Entwicklungsprojekte — wird mit ca. 25—60 Mio. Euro pro Kilometer veranschlagt, bietet dabei jedoch:
• geringeren Flächenverbrauch,
• geringere Wartungsintensität,
• modulare, schnellere Bauweise,
• deutlich geringere Betriebskosten pro Passagierkilometer.
Forderungen:
- Die FDP Heidekreis befürwortet den zügigen Ausbau der Verbindung Hamburg—Hannover, jedoch mit dem Ziel, eine innovative Technologie wie Hyperloop zum Einsatz zu bringen — statt klassischer Bahninfrastruktur.
- Die Deutsche Bahn AG, das Bundesverkehrsministerium und das Land Niedersachsen werden aufgefordert, die Hyperlooptechnologie als gleichwertige Planungsalternative in die Variantenprüfung einzubeziehen.
- Eine Machbarkeitsstudie für eine Hyperloopverbindung zwischen den Flughäfen Hamburg und Hannover — mit perspektivischer Ausweitung auf nationale und europäische Flughäfen — ist zeitnah zu initiieren.
- Der Zugang zu Betrieb und Ausbau des Systems soll auch für private Anbieter , Fluggesellschaften und Infrastrukturbetreiber offen sein, um Marktdynamik, Wettbewerb und Investitionsanreize zu fördern.
- Die Bundesregierung wird aufgefordert, das Projekt als Leitvorhaben für klimafreundliche Mobilität im Rahmen eines europäischen Verkehrsentwicklungsplans zu etablieren und mit der EU-TEN-V-Strategie zu verzahnen.