Interessenausgleich zwischen Stadt und Land - die ländlichen Regionen als Chance begreifen…
Niedersachsen ist ein Flächenland. Unsere großen Städte sind eingebunden in ein ländliches Umfeld, dessen Ressourcen zur Prosperität der Städte maßgeblich beitragen. Gleichwohl unterscheiden sich die Prioritäten eines urbanen Umfelds deutlich vom ländlichen Raum. Die Mehrheit der Bevölkerung Niedersachsens lebt in Dörfern und ländlich geprägten Klein- und Mittelstädten. Das Land ist der Kitt, der Niedersachsen zusammenhält.
Viele aktuelle politischen Diskussionen spiegeln vornehmlich städtische Sichtweisen wider. Die echten Herausforderungen auf dem Land geraten dabei zunehmend aus dem Fokus. Die von den Landwirten angeführten Proteste, die zunehmend auch andere Branchen erreichen, zeigen, dass die Politik über die letzten Jahrzehnte ein solches Maß an Beschwernissen aufgebaut hat, in deren Folge wirtschaftliches Handeln zunehmend erschwert wird. Das führt zu einer deutlichen Enttäuschung weiter Bevölkerungsschichten.
Die Enttäuschung müssen wir respektieren und uns der Sorgen unserer Landbevölkerung konsequent annehmen:
- Berufsverboten gleichkommende Vorgaben an Ackerbau, Tierhaltung und Küstenfischerei,
- Erschwernis der Jagdausübung durch Reduktion der Ausbildungsmöglichkeiten und waffenrechtliche Kriminalisierung der Jägerschaft,
- Unfaire Wettbewerbsbedingungen für die regionale Nahrungsmittelerzeugung,
- Gefährdung unserer exzellenten mittelständischen Agrartechnikunternehmen durch erwartbaren Nachfragerückgang infolge des Wegsterbens unserer bäuerlichen Landwirtschaft,
- Flächenverbrauch und Zerschneiden der Land- und Ortschaften durch Infrastrukturprojekte, ohne technologieoffen innovative Alternativen zu berücksichtigen,
- Einschränkungen des Individualverkehrs ohne Schaffung sinnvoller und verlässlicher Alternativen,
- Veränderung des Landschaftsbildes durch Windenergie- und Solaranlagenzubau, ohne für die breite Mehrheit der Landbevölkerung einen spürbaren Nutzen zu generieren,
- Verschlechterung der ärztlichen und notfallmedizinischen Versorgung durch unbesetzte Arztpraxen und fehlende Krankenhausbetten, ohne neue Chancen der Telemedizin auch wirklich umzusetzen,
- Bedrohung von wirtschaftlicher und körperlicher Existenz durch den Wolf.
Nur mit Hilfe des ländlichen Raumes sind Zukunftsaufgaben im Bereich Energieversorgung, Nahrungsmittelversorgung und Mobilität zu lösen. Dazu muss sich die Landbevölkerung aber auch wahr- und ernstgenommen fühlen. Städtische Prosperität darf nicht einseitig auf dem Rücken unserer Landbevölkerung stattfinden.
Zunehmend fühlen sich Menschen auf dem Land abgehängt und nicht wahrgenommen. Es zählt zu den legitimen Lebensentwürfen in ländlichen Regionen zu leben. Das bedeutet auch bewussten Verzicht auf bestimmte Annehmlichkeiten großstädtischer Strukturen, aber auch bewussten Gewinn an Lebensqualität durch das naturnahe Umfeld.
Dennoch sind grundlegende Aspekte der Daseinsvorsorge und der Selbstbestimmung nicht durch das Leben auf dem Land aufgegeben. Es muss möglich sein, sein Auskommen zu verdienen, mobil und erreichbar zu bleiben und ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Projekte zur Energiewende, Verkehrswende und zur sicheren Nahrungsmittelversorgung sind nur mit dem ganzen Land zu realisieren. Die Bevölkerung im ländlichen Bereich erwartet zurecht, dass nicht nur die Nachteile bei ihr abgeladen werden, sondern reale Teilhabe und Vorteile entstehen.
Geben wir dem ländlichen Raum den Respekt und die Bedeutung, den er verdient!